Bildung in Digitalität – Einsatz von Lehr- und Lernzeug in digital-analogem Augenmaß

„Wichtig ist, dass Fortbildung und lebenslanges Lernen selbstverständlich werden“

Wirtschaftsweise Isabel Schnabel in der Süddeutschen Zeitung am 05.01.2018,

Digitalität ist mehr als Digitalisierung – das merken wir auch und vor allem in den Anforderungen und dem Selbstverständnis von wichtigen Bedingungen unserer Lebens- und damit auch Arbeitswelt. Lernen oder Bildung ist ein wichtiger Bereich der sich in vielerlei Hinsicht wandelt.

Hasebrink etwa zeigt wie medialer Wandel sich in gesellschaftlichen Veränderungen wiederspiegelt:

Medialer Wandel ist demnach durch Konnektivität, Omnipräsenz, Innovationsdichte und Datafizierung geprägt.

Konnektivität birgt im gesellschaftlichen Zusammenhang Chancen und Risiken: Grenzen zwischen Lebenswelten verändern sich, die Idee des „unter uns sein“ bekommt eine neue Qualität, weil veränderte drastisch erhöhte Öffentlichkeiten zu neuen Formen digitaler Stammtische führt. Hier legt man ein Kommunikationsverhalten an den Tag (vom Leder lassen, Hate Speech, Trolle), was in Sozialen Netzwerken einer breiten Öffentlichkeit zugänglich wird (LINK zu Trolle Text)

Omnipräsenz meint in diesem im sozialen Kontext die Ambivalenz von ständiger Verfügbarkeit und damit einhergehend einem permanenten Erreichbarkeitsdruck.

Innovationsdichte verdeutlicht sich in den Drang nach persönlicher Optimierung, Erneuerung und Rastlosigkeit und dem streben nach mehr Kompetenz und einem erhöhten Wettbewerbsdruck.

Die Datafizierung wiederum führt dazu, dass alles in Daten gefasst wird und personalisierte Services und Marketing-Strategien Lebens- und Arbeitswelt quantifizierbar, transparent aber auch überwachbar machen.

In diesen Ausführungen kommt zum Vorschein was im Sinne von Digitalität mit Individualisierung und Vernetzung beschrieben wird. Die ästhetischen Facetten kommen in der Sichtweise nach Hasebrink allerdings zu kurz, ebenso die Notwendigkeit digital-analoger Balance. Beides sind wichtige Bezugspunkte, um Identitäten in Digitalität auch im Bereich Bildung zu erreichen.

 

Im Zeitalter von digital-analogen Vernetzungsprozessen (verstanden als Digitalität und eben nicht Digitalisierung) verändern sich die Anforderungen an und das Beziehungsgeflecht in zeitgemäßer Bildungsarbeit. Es geht um (neues) Lernen mit Medien anstatt Lernen mit neuen Medien.

Schier 2018

Das Neue am Lernen ist digital-analoge Balance bei der Auswahl und dem Einsatz von Lehr- und Lern(werk)zeugen.

Blended Learning richtig verstanden, meint in dieser Perspektive, dass analoge Lehr- und Lernformen sinnvoll mit digitalen Tools in unterschiedlichen Lernorten erfahrbar gemacht werden. Dieser Mix von verschiedenen Lern- und Lehrorten und -formen verändert allerdings auch Rollen und Machtverhältnisse in digital-analoger Bildung Lehrende werden immer mehr Moderatoren und Lernende werden gleichzeitig stärker (partizipativer) eingebunden und wirken an der Mitgestaltung von Lernen mit. Diese Veränderungen der Machtverhältnisse sehen wir also in:

  • Lehrende sind Moderatoren, Netzwerker, Denkwerker etc.
  • Lernende können aktiver, gestaltender, partizipativer eingebunden werden.
  • Anbieter von digitalen Lehr- und Lerntools (Plattformen, Software) etc erlangen immer mehr Macht. Nicht ohne Grund positionieren sich Google und Facebook immer stärker als Lehr- und Lernbegleiter.

Hierbei eröffnen sich eine Fülle an Fragen: Wie gehen wir mit der Infrastruktur um? Wie erlangen wir Datensourveränität? Qualitäts- und Sicherheitsstandards müssen gewährleistet sein!

Auch hier gilt es digitale Chancen zu nutzen und gleichzeitig analoge Potentiale voll auszuschöpfen – beides wird benötigt.

Die Anforderungen an Kompetenzen wird im Sinne von Digitalität verändert. Medien und Soziales werden immer mehr miteinander verwoben.

Medien- und Sozialkompetenz gehören zusammen!

Im Sinne von Digitalität sollte auch die Idee von Medienkompetenz nicht zu technik-fixiert gedacht werden:

Die Grundlagen von Medienkompetenz sind Wissen, Bewertung, Umgang und Gestaltung. „Wissen und Bewertung“ benötigen neben dem technischen Verständnis auch eine soziokulturelles Basis: „was machen 10 Stunden Computer Spiele mit meinem Körper?“ „Wie gehe ich mit Medien um, wie gestalte ich?“ „Was eigene ich mir an?“ „Welche Umgangsformen sind wichtig?“ „Was für „Arten“ von Öffentlichkeiten gibt es und wie habe ich mich wo zu verhalten, was ist wo angemessen?“ Etc.

Somit besteht in Digitalität ein Zusammenhang zwischen Medien- und Sozialkompetenz und beide können nicht mehr losgelöst voneinander gedacht werden. Digitales ist dabei (neben Analogem) als Handwerkszeug und als konzeptionell reflexives Rahmenwerk zu verstehen.

 

LernWerkZeug und Lernorte und Lehrräume: individuell.ästhetisch.vernetzt

Alte Vorstellungen von Lern und Lehre werden aufgebrochen!  

Digitalität führt zu Veränderungen und zu Möglichkeiten „altbekanntes“ neu zu denken. Alt und Neu, Digital und Analog, Tradition und Innovation sind dabei keinen Gegensatzpaare, sondern vernetzen sich – die Frage ist nur, wie geht das sinnvoll. Das „Digitale“ ist dabei als Handwerkszeug und gleichzeitig als konzeptionell reflexives Rahmenwerk zu verstehen.

Die bekannten Begriffe Handwerk und Werkzeug etwa, können bei der Frage, was kommt in unseren „Koffer“ in der Bildungs-, Kommunikations- aber auch Organisationsarbeit neu gedacht werden.

Digitalität meint nicht, dass alles zu „E-Learning“ wird oder nur noch in der „cloud“ gearbeitet und gebildet wird. Digitalität meint aber schon, wie können alte und neue Strukturen und Arbeitsweisen verknüpft werden – individuell.vernetzt.ästhetisch und in digital-analoger Balance.

 

Digital-analoge Balance bei Auswahl und Einsatz von Lehr-, Lern-, Kommunikations- und Arbeitswerkzeugen ist also wichtig!

Was heißt das konkret? Anwendungssbeispiele

Individuell: Das Individuum rückt in den Mittelpunkt von Lernen und Lehre. Lernender aber auch Lehrender werden durch Assistenz-Systeme unterstützt. Inhalte und Methoden können so viel zielgerichteter eingesetzt werden. Ersetzen aber nicht die analogen wichtigen sozialen Erlebnisse von gemeinsamen Lernen etwa in Seminar-Gruppen oder Einzel-Coachings (als Präsenzveranstaltungen)

Ästhetisch: Hiermit ist u.a. visuelles Lernen gemeint (Dorling Kindersley). Ebenso gilt es nicht nur ästhetisch anspruchsvolle Visualisierungstechniken (LINK Bikaplo etc.) und Raumgestaltungen von Erlebnislernen zu verinnerlichen. Digitale Lernorte müssen ebenso „schön“ gestaltet werden und intuitiv benutzbar sein – dies geschieht oftmals nur durch Google oder Facebook.

Vernetzt: Die vollen Potentiale kollaborativer Lehr- und Lernformen ist bislang kaum ausgeschöpft. Messenger und Sharing Dienste schul.cloud oder Organisationsplattformen wie regioIt und units.at sind erste lokale Schritte. Hier bestehen noch unzähliger weitere Anwendungsmöglichkeiten.

Hier mein aktuellster Vortrag zu dem Thema:

So sieht gelingende Bildung in Digitaltität aus – individuell-vernetzt-ästhetisch


Zusammenfassend geht es im Lernen und Lehren in Digitalität also um Kollaboration, Partizipation, Transparenz, Entfaltung – aber auch Content und Kontext!

Dabei gilt es die Abgrenzung von Lern- und Freizeit, On- und Offlinesein zu beachten– also wieder einer Balance.

Im Sinne von Digitalität (als Weiterentwicklung von Digitalisierung) eine digital-analoge Balance.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.